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Letzte Aktualisierung am 25.05.2020

   

   

Die Chronik der französischen Fremdenlegion:

     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Die Chronik der französischen Fremdenlegion:

Am 09. März 1831 gründete König Louis-Philippe per Dekret die "Légion étrangère", zur Absicherung der afrikanischen Kolonien, aber auch, um die vielen ausländischen Soldaten, welche als  Überreste der napoleonischen Kriege mittel-und arbeitslos in Frankreich lebten und die Staatskasse belasteten, von der Straße zu kriegen.

 

Grundstein war das Régiment de Hohenlohe, welches komplett in diese erste Legion übernommen wurde. Louis Philippe griff bei dieser Gründung einen alten Gedanken auf, welcher sowohl in der Grande Armée als auch unter Napoleon Früchte trug, ausländische Soldaten im Dienste Frankreichs.

 

Die Neuheit war, alle Soldaten, gleich welcher Nationalität, in ein und derselben Einheit zu integrieren, im Gegensatz zu vorher, als die Regimenter nach Herkunft und Sprache formiert wurden. Die Légion durfte auf Grund des Dekrets vom 09.03.1831 nur außerhalb des französischen Staatsgebiet eingesetzt werden. In diesem Dekret wurde auch  die beiden wichtigsten Prinzipien festgelegt, welche die Légion von allen anderen Armeen unterscheidet: Der Legionär diente unter dem Status "Etranger" (Ausländer) und er konnte sich unter einer anderen Identität bewerben.

 

Um das Engagement der Bewerber, welche sehr oft keine Indentitätspapiere mehr hatten, konnten sie bei der Bewerbung eine Identität angeben, welche sehr oft falsch war. Eine Überprüfung fand nicht statt und diese "zweite Chance im Leben", trug mit zu dem Mythos und dem Geheimnis bei, welcher der Légion anhaftet. Die Bewerber mußten zwischen 18 und 40 Jahren alt sein und eine Mindestgröße von 1,50m haben.

Erster Kommandant war der Schweizer Colonel Christoph Anton Stoffel.
Aufgebaut auf diesem Prinzip, zeigte sich die Légion als glorreiche Erbin der 400 Fremdenregimenter, welcher vor ihr  für Frankreich gekämpft hatten. Ihre Tatkraft, ihre Leistungsfähigkeit bestätigte sie auf allen Kriegsschauplätzen in Europa und Übersee, überall da, wo Frankreich entschied, seine Truppen einzusetzen.

Algerien - Wiege der Légion:

1831 begann die Eroberung und Kolonialisierung von Algerien und Louis Philippe schickte die Légion in dieses nordafrikanische Land wo sie im August 1831 eintrafen. Ihre Feuertaufe erhielten sie am 27. April 1832 vor Maison Carrée,(nahe Algier). Bei dieser Schlacht gegen die anrennenden Berber fiel auch der erste Offizier, Leutnant Cham, ein Schweizer.

Bei den folgenden Kämpfen zur Eroberung Algeriens bildete sich auch der Name heraus, welcher bis heute den Legionär auszeichnet: Soldat-Bâttiseur (Soldat und Bauarbeiter). Das Meisterwerk der Legion wird eine Stadt sein, gegründet 1843. Hauptstadt und Mutterhaus der Légion: " Sidi-bel-Abbes"

 

Verkauf nach Spanien:

 

Am 29.Juni 1835, vier Jahre nach ihrer Gründung, wurde die komplette Legion nach Spanien verkauft, um Königin Isabelle bei ihrem Kampf gegen die Rebellion von Don Carlos zu unterstützen. Doch dieser Einsatz sollte fast des Ende der Legion bedeuten. Von mehr als 4000 Legionären fielen über 3600 Mann und 23 Offiziere. Zurück nach Frankreich kamen nur noch 500 Mann.

 

Die neue Legion:

 

Durch königliches Dekret vom 16. Dezember 1835 wurde die Legion ein zweites Mal aufgestellt und 1837 wieder nach Algerien verlegt. Bis 1848 wurde die Zahl der Legionäre stetig erhöht und 1841 in zwei Regimenter aufgeteilt. Die neue Legion marschierte in den Spuren ihrer Vorgänger und zweigte sich bei ihren Einsätzen als tapfere, fast unbezwingbare Truppe. Constantine 1837, Djidjelli 1839, Miliana 1840, Zaatscha 1849 und Ischeriden 1857 markierten glorreiche Siege und bewiesen, daß die Legion eine Truppe ist, mit welcher man in jeder Hinsicht rechnen mußte und auf sie zählen konnte.

 

Die kaiserlichen Kriege:

 

Ohne ihren Einsatz in Algerien zu unterbrechen, beteiligte sich die Legion an den Kriegen des 2. Kaiserreichs. Es war zuerst der Krimkrieg 1854-1856 mit der Belagerung von Sebastopol, wo die Legionäre gemeinsam mit Türken und Engländern die russische Halbinsel eroberten. Bei diesem Einsatz verlor die Legion 444 Legionäre, darunter den Commandanten des 1. REI, Colonel Viénot. Dann der Italienkrieg, wo die Legionäre sich heldenhaft in Magenta und Solferino schlugen. Anschließend kam Mexiko, wo sich die Legion  am 30. April 1863 bei der Schlacht  von Camerone unsterblich machte. Der heroische Wiederstand der Kompagnie von Capitaine Danjou gegen eine ganze Armee wurde zum Symbol und Modell des Verhaltens im Kampf für alle Zeiten. "Faire Camerone" (Camerone machen) wurde zum Ausdruck, welcher bis heute benutzt wird, wenn das Kriegsglück sich wendet, der Gegner übermächtig ist und der Legionär sich bis zum letzten Blutstropfen verteidigt.

 

Zum ersten Mal auf französischem Boden:

 

1870, Frankreich zieht in den Krieg gegen die Preußen. Zum ersten Mal seit Gründung der Fremdenlegion, und im Gegensatz zu den Vorschriften, welche in  der Ordonnance von 1831 verfügt wurden, wird die Legion nach Frankreich gerufen um das Mutterland zu verteidigen. Zum ersten Mal auch, konnten sich Freiwillige  für die Dauer des Kriegs melden und wurden der Legion zugeteilt. Die Legionäre kämpften bei der Vimy-Höhe, an der Marne, an der Somme oder am Bois de Hangard. Aber auch bei den Schlachten in Gallipoli, in Serbien und Monastir kämpfte die Legion. Insgesamt waren im ersten Weltkrieg mehr als 44000 Soldaten aus mehr als 100 Ländern in der Legion. Jeder 10. kam nicht mehr lebend zurück, da insgesamt 4931 Legionäre während des 1. Weltkriegs auf den Schlachtfeldern starben.

 

Befriedung von Marokko und der Levante:

  

Ab 1920 ist die Legion an zwei Konflikten beteiligt: in der Levante (Syrien und Libanon), im Rahmen eines Mandats des Völkerbunds und in Marokko in der Endphase der Befriedung des Landes. Unermüdlich markieren die Legionnäre das Land mit ihren Spuren. Das schönste Symbol und Werk der "Soldat-Bâttiseure" ist sicher der Tunnel von Foum Zabbel, aus reinem Granit durchgebrochen von den Pionnieren des 3. Regiments. Bis heute ist dieser Tunnel auf den Straßenkarten als "Tunnel der Legionnäre" angegeben. In Syrien griffen die Stammeskrieger der Drusen massif die Legion an. Bei der Schlacht von Messifre überfielen 3000 Drusen 1925 ein Bataillon Legionäre an. Während der zweitägigen Kämpfe fielen über 1000 Drusen, aber auch die Legion hatte 47 Gefallene zu beklagen.

 

Der zweite Weltkrieg:

 

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs hatte die Legion mit 45000 Mann die größte Stärke seit ihrer Gründung. Doch mit dem Blitzkrieg sollte die Geschichte der Legion fast beendet sein. Das 11. REI, das 12. REI, das GRD 97 sowie das 21., 22. und 23. RMVE verschwanden nach dem Waffenstillstand. Die ganz junge 13. D.B.L.E. kämpfte in Norwegen gegen die Truppen Hitlers unter General Dietl und errang in Narvik den einzigen Sieg Frankreichs gegen die Deutschen im Jahre 1940. Im Anschluß daran wurde dieses junge Regiment, welches sich den FFL (Forces francaises libre) von Général de Gaulle in London angeschlossen hatte, nach Nordafrika versetzt,  wo es in einem grandiosen Kampf gegen die übermächtigen Truppen von Feldmarschall Rommel dazu beitrug, die Schlacht von El Alamein zugunsten der Alliierten zu entscheiden. Auf Seite der Engländer und US-Amerikaner kämpften noch, bis zum Kriegsende, das 1. REI in Sidi-bel-Abbès, das 1. REC, das 3. REI in Marokko, die 4.DBLE (das frühere 4. REI) in Senegal und das 6. REI in Syrien. Die 13. DBLE  setzte mit den Amerikanern nach Sizilien über und machte den gesamten Italienfeldzug mit, bevor sie, mit der 1. Französischen Armée im Elsaß eingesetzt wurde und 1945 über Colmar bis nach Stuttgart vorrückte. Insgesamt fielen im 2. Weltkrieg  9017 Legionäre. 

Nachdem der 2. Weltkrieg in Europa kurz vor dem Ende stand, überfielen am 09. März 1945 starke japanische Streitkräfte Indochina. Ein geordneter Rückzug der zahlenmäßig weit unterlegenen französischen Streitkräfte unter Général Alessandri erlaubte dem 5. REI der Legion, dem Régiment du Tonkin, sich in einem Marsch von 2 Monaten und andauernde Kämpfen nach China zurück zu ziehen.

 

Der Indochinakrieg:

 

Ab 1946 wurde der Großteil der Legion nach Indochina verlegt. Das 2. REI, die 13. DBLE, das 1. REC und das 3. REI debarkierten nacheinander in Indochina wurden bald darauf von einem Regimentstyp verstärkt:  den ersten Fallschirmjägerbataillonen der Legion. In diesem Krieg, wo die französische Regierung aus politischen Gründen versuchte, die eigenen Landsleute zu schonen, wurden vor allem Legionäre im Kampf gegen die Viet-Minh eingesetzt. Zu dieser Zeit betrug die Mannschaftsstärke der Legion 30000 Mann, davon über 80% Deutsche. Tausende von ehemaligen Mitgliedern der früheren Waffen-SS, der deutschen Fallschirmjäger und Gebirgsjäger waren die große Stütze der Legion. Diese jungen Männer hatten im ihrem Leben nichts als Krieg erlebt und bildeten in den folgenden Jahren einen soliden Grundstock der Legion. Von Phu Tong Hoa bis Dien Bien Phu 1954 verlor die Legion mehr als 300 Offiziere, davon 4 Regimentskommandeure, und mehr als 10000 Unteroffiziere und Legionäre. Der Indochinakrieg war für die Legion der verlustreichste Krieg in ihrer Geschichte. Allein bei dem 57-tägigen Kampf um die Festung Dien Bien Phu fielen mehr als 1500 Leionäre und 4000 französische reguläre Soldaten. Der Viet-Minh machte über 4000 Gefangene und 7 Bataillone der Legion hatten aufgehört, zu existieren.

 

Algerien (1954 - 1962):

 

Noch bevor die Kämpfe in Indochina beendet waren, mußte die Legion in einem Land kämpfen, welches für sie einen großen Wert darstellte: Algerien. Anläßlich des Algerienfeldzugs 1830 war die Legion ja aufgestellt worden und hier hatte sie auch all ihre Trainings-und Ausbildungslager sowie ihr Hauptquartier. Das Problem in Algerien war die algerische FLN, die Befreiungsfront, welche die Unabhängigkeit von Frankreich erreichen wollte. Über eine Million französische Siedler betrachteten Algerien  als festen Bestandteil Frankreichs und die Regierung in Paris entsandte ab 1954 über 450000 Soldaten, davon 20000 Legionäre nach Algerien. Nach Einsätzen in Marokko, Tunesien und anschließend in Algerien fügte die Legion den aufständischen Rebellen in zahlreichen Kämpfen schwerste Verluste zu. Die Legionäre praktizierten in Algerien eine Gefechtsweise, wie sie später von fast allen Armeen der Welt angewandt wurde: Luftladeeinsätze mit Hubschraubern. Die Soldaten konnten dadurch blitzschnell an die Einsatzorte gebracht werden und dort eingreifen. Als im Jahre 1958 Général de Gaulle das Amt des Premierministers in Paris übernahm, änderte sich die politische Haltung der Regierung. De Gaulle wollte Frieden in Algerien und trat in Verhandlungen mit der FLN ein. Dies  betrachteten viele Legionäre und französische Offiziere als Verrat und gründeten im Jahre 1961 die OAS (ein Geheimbund, welcher zum Ziel hatte, Algerien bei Frankreich zu belassen). Am 22.04.1961 besetzte das 1. Fallschirmjägerregiment der Legion, das 1.REP, unter dem Kommando der Putschgeneräle Salan, Zeller, Jouhaud und Challe alle Kommandozentralen in Algier. Das 2. REP wurde noch im Hintergrund gehalten, während die 13.DBLE, das 1.REC, das 2.REC, das 2. REI, das 3. REI, das 4. REI weiterhin gegen die Aufständischen in den Bergen kämpften. Der Putsch brach nach 2 Tagen zusammen. Général de Gaulle verfügte, daß das 1. REP sofort aufgelöst wurde.   200 Offiziere und Unteroffiziere der Legion wurden verhaftet und vor Kriegsgerichte gestellt, bei denen mehrere Todesurteile gefällt und auch vollzogen wurden. In diesem Jahr marschierten erstmals keine Legionstruppen bei der Parade am 14. Juli in Paris auf den Champs Elysées. Insgesamt starben in Algerien von 1954 bis 1962 1855 Legionäre. Die Legion mußte 1962 Algerien für immer verlassen.

 

Neue Aufgaben und Herausforderungen:

 

Nach dem Abschied aus Nordafrika wurde ds Hauptquartier der Legion 1962 nach Aubagne in Südfrankreich verlegt. Hier ist bis heute der Sitz des Generalstabs der Legion sowie des 1. REI. Die 13. DBLE wurde direkt von Bougie in Algerien nach Djibouti an das Horn von Afrika verlegt, das 5. RMP, Regiment mixte du Pacifique, landete in Papeete auf Tahiti, (bis 2000), danach wurde es als 5.REI nach Guyane verlegt, das  2. REP in Calvi in Korsika, das 3. REI in Madagascar und die übrigen Regimenter wurde auf Stützpunkte in Frankreich verteilt. Die 60er Jahre brachten Kampfeinsätze im Tschad (1969-1970 sowie 1978 und 1988), das 2. REP kämpfte 1978 in Zaire und rettete in Kolwezi mehrere 1000 Menschen vor den Aufständischen. 1983 landete die Legion in UN-Einsatz in Beyrouth im Libanon und nahm anschließend als Teil der Division Daguerre 1990-1991 am ersten Golfkrieg teil.

 

Neue Arbeitsgebiete:

 

Die Fähigkeit, sich den afrikanischen Problemen zu widmen, aber auch angesichts der komplexen Situation im ehemaligen Jugoslawien, welches am Rande eines Kriegsausbruchs stand, bestimmte die Legion zu einem Laboratorium des Professionalisierung der Armée, welche Frankreich ab 1997 durchführte. Offen für alle Neuerungen durch die Armée, führten und führen alle Regimenter ihr hervorragendes Entrainement (Aus-und Weiterbildung) durch, auf der Suche nach der Vervollkommnung des Soldaten, den technischen Errungenschaften wie auch die  Weiterbildung durch die modernen Kommunikationsmittel, immer in tiefem Respekt unserer Tradition: den Dienst für Frankreich.

 

 

 

Amicale des anciens de la Légion étrangère de Mannheim e. V.
amicalemannheim@aol.com